Horst Janssen

"Cape noctem und schlafe nicht tags"

 

Die Zeichnungen und Grafiken von Horst Janssen waren in meiner Jugend so präsent, daß sie auch meine ästetische Wahrnehmung und vielleicht auch meinen künstlerischen Stil geprägt haben. Janssens Zeichnung waren nie sauber, nie glatt, nie poliert, sondern immer rau, grau, und kraftvoll; ein wenig wie der Norden selbst. Es erschien mir schon damals so, als zeigten sie das Wahre der Dinge; ohne die Hülle des äusseren Anscheins. Seine Portraits sind direkt und haben oft keinen richtigen Rahmen, sie fliessen viel mehr. Er scheint sich nicht bändigen zu lassen und die Gesichter erscheinen dadurch immer in Bewegung.

Es waren diese erstrebenswerten Eigenschaften und ihre Präsenz , die mich als Jugendlicher fasziniert haben, und auch heute noch sieht man in vielen Kunstwerken anderen Künstler seiner und sicher auch meiner Generation seinen Einfluss.

Horst Janssen ist am 14. November 1929 in Hamburg geboren, wuchs jedoch in Oldenburg bei seiner Mutter Martha Janßen und seiner Großeltern  auf. 1942 wurde er Schüler an der Napola (Nationalsozialistische Erziehungsanstalt) in Haselünne, wo sein Talent von Hans Wienhausen,seinem damaligen Zeichenlehrer erkannt und gefördert wurde.

1945 zog Janssen zurück nach Hamburg und studierte hier an der Hamburger Kunsthochschule bei Professor Alfred Mahlau. Mahlau, welcher unter anderem die Verpackung für das Marzipan von Niederegger gestaltetet,  bedürfte seinerseits selbst eine ganzen Artikel, um seiner Arbeit gerecht zu werden. Janssen sagt später über ihn : "...alle führte Malau ein, in die Disziplin des Sehenlernens, ja, er öffnete im genauen Wortsinn uns allen die Augen"

 

 

Portrai, das Horst Janssen zeigt. Von "Grau auf Weiss"

Horst Janssen

Zeichnung eines Affenschädels

Horst Janssen hat Zeit seines Lebens bis zu 2.000 Selbstportraits gezeichnet.  Diese Zahl zeigen schon , daß Horst Janssen nicht nur ein genialer, sondern auch ein sehr produktiver , fast schon rastloser Künstler war. Ein Gegenstand seines Privatbesitzes zeigt seinen Arbeitsanspruch. Bei dem Gegenstand handelt es sich um einen Affenschädel. Diesen Schädel ziert eine handschriftlich, mit Bleistift verfasste "Notiz", welche lautet: "Cape noctem aber schlafe nicht tags" . "Carpe noctem" ist lateinisch und heisst : nutze die Nacht. Dieser Anspruch erinnert an ein Rennen gegen die ihm verbleibende Zeit bis zum Tod. Der Tod ist auch immer wieder ein zentrales Thema in seinen Arbeiten. Nicht umsonst befindet sich die Notiz auf einem Affenschädel.

"Zeichne Dich selbst,dann zeichnet Dich Gott"

 

Auch wenn dieses Zitat von Janssen vermuten lässt, daß er seine Selbstportraits zur Selbsterforschung und -Erkenntnis zeichnet, waren seine Zeichnungen für ihn meist nur Inszenierungen. Das Gesicht diente hierbei als Bildgegenstand, den es zu studieren galt. Immer unter dem Aspekt der Dramaturgie und des Schauspiels. Janssen hatte Spaß daran, sich zu verkleiden und so zu portraitieren. Er zeigt sich "beim Zahnarzt", "singen", "drachen-artig", als "ungezogener Junge" und "Hero". Diese Freude an der Inszenierung teilt Janssen mit vielen anderen Künstler. Mitunter auch Rembrandt, dessen Werke ein grosser Einfluss auf Janssens Kunst hatten.

Janssens Portraits sind in der Regel Tronies (Ausdrucksstudien),  Portraits also, die eher Mimik und Habitus eines bestimmten Typen verkörper, als einen tatsächlichen aktuellen Gemütszustand.  Viele dieser Portraits zeigen Janssen mit offenem Mund. Diese Dastellung stand für ihn symbolisch dafür, den Blick nach Innen abzubilden. Janssen bezeichnet seine Portrait unter anderem mit Titeln wie:  "selbst, singend", "elegisch" oder "beim Zahnarzt".

 

Das Thema Tod in Janssens Portraits

 

Eines seiner zentralen Themen ist die Vergänglichkeit, die wir auch in den Landschafts- und Blumenbildern des Künstlers wiedererkennen. Er hat ein Interesse am Brüchigen, dem Fragment, dem Hässlichen an sich selbst, aber auch an anderen Personen, die er zeichnet. Oft haben seine Arbeiten etwas Morbides. Das Thema des Todes geht Janssen in seinem Bildband "Hanno´s Tod" auch direkt an.

Hanno, das ist Hanno Buddenbrook, aus dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann. In dem Roman stirbt Hanno im jungen Alter von 15 Jahren an Typhus. Janssen selbst ist in seiner Jugend mit dem Tod innerhalb der Familie konfrontiert gewesen und diese Erfahrungen spielen auch daher eine entscheidene Rolle in seinem Werk. In "Hanno´s Tod" setzt sich Horst Janssen mit einem eigenen Tod und dem schrittweisen Verfall auseinander. Die Portraits sind fragmentarisch und Janssen zeigt hier oft nur einzelne Elemente des Gesichts. Dieses Werk ist innerhalb einer Woche entstanden, ganz in seiner Manier "immer im Konvolut" zu arbeiten, und man kommt nicht umhin, an den Affenschädel zu denken, der zur Produktivität auffordert.

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare